Mein Kind ist so tollpatschig — stürzt, stolpert, kann sich nicht halten.

Beim Spielplatzbesuch fällt dein Kind hin — schon wieder, und dabei ist da kein Stein, keine Wurzel, kein Grund. Beim turnen fällt dir auf das der Purzelbaum einfach nicht funktionieren möchte. Und beim Essen am Tisch sackt es zusammen wie ein nasser Sack, den Kopf in der Hand.

Du fragst dich: Ist das nur eine Phase? Oder steckt mehr dahinter?


Wenn der Körper kein verlässliches "Unten" kennt

Ganz am Anfang der Entwicklung — schon im Mutterleib — gibt es einen Reflex, der dem Körper hilft, Schwerkraft und Kopfposition miteinander zu verbinden. Er heißt Tonischer Labyrinthreflex, kurz TLR. Er sitzt im Innenohr, im sogenannten vestibulären System — dem Sinn, der uns sagt, wo oben ,unten , hinten und vorn ist.

Normalerweise integriert sich dieser Reflex in den ersten Lebensmonaten. Der Körper lernt dann, Gleichgewicht zu halten, ohne ständig nachzudenken. Wenn das nicht vollständig gelingt, bleibt diese Verbindung wackelig — wortwörtlich.

Mehr dazu, wie dieser Reflex genau funktioniert, erkläre ich in einem eigenen Artikel demnächst. Hier geht es erst einmal nur darum: Wie zeigt sich das bei deinem Kind im Alltag?


Erkennst du dein Kind hier wieder?

  • Stürzt häufiger als andere Kinder — ohne erkennbaren Grund

  • Der Purzelbaum gelingt einfach nicht, das Kind verliert die Orientierung dabei

  • Sitzt schlaff am Tisch, sucht ständig eine Stütze — Wand, Tischkante, die eigene Hand

  • Geht oft auf Zehenspitzen teilweise mit einem auffälligen, wippenden Gang ODER

  • hat eine zusammengesunkene, schlaffe Haltung beim laufen und sitzen

  • Mag Schaukeln entweder gar nicht — oder kann gar nicht genug davon bekommen

  • Wirkt nach Bewegungsspielen plötzlich „weggetreten" oder überreizt

Kein Kind zeigt alle diese Zeichen gleichzeitig. Aber wenn dir zwei oder drei davon bekannt vorkommen, lohnt sich ein genauerer Blick — auf die Entwicklung des Gleichgewichtssystem deines Kindes.


Was du jetzt schon tun kannst

Lass dein Kind viel auf dem Bauch liegen spielen, klettern, sich rollen, hängen — auch wenn es schon älter ist als die meisten "Tummy Time"-Ratgeber meinen.

Bewegungen, die Kopf und Körper bewusst gegen die Schwerkraft bringen, sind genau das, was das vestibuläre System gerade noch übt.


Was als Nächstes?

Der TLR ist eng mit anderen Reflexen verknüpft — zum Beispiel mit dem Spinalen Galant, über den wir schon geschrieben haben. Tollpatschigkeit kommt selten allein von einem resaktivem Reflex.

Wenn du herausfinden möchtest, welche Reflexe bei deinem Kind eine Rolle spielen könnten, probiere gerne das kostenlose Reflex-Quiz aus. Anonym, ohne Anmeldung, Sofort-Auswertung.

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Im nächsten Artikel:

Was genau ist der TLR — und warum entscheidet ein Sinn im Innenohr über so viel mehr als nur das Gleichgewicht?

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